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Immersive Spatial Audio Installation
Die Rauminstallation 11111100011 wurde im Rahmen des WISPLAB 2019 in Zusammenarbeit mit einer internationalen Gruppe von Medienkünstler*innen entwickelt und in Leipzig präsentiert.
In dem Projekt wird körperliche Präsenz in einem Raum zu einem steuernden Element eines audiovisuellen Systems. Besucher*innen bewegen sich nicht einfach durch eine Ausstellung – ihre Position, ihre Anzahl und ihre Bewegung verändern aktiv den Zustand der Installation.
Stephan Schupp, Designer und Gründer von DIFFERENT PROGRESS, begleitete das Projekt von der konzeptionellen Entwicklung bis zur technischen Realisation und übernahm die kreative sowie systemische Direktion der Installation.
Kontext
Politische Sprache entfaltet ihre Wirkung selten isoliert.
Sie entsteht in Räumen, in Menschenmengen, in rhythmischen Wiederholungen von Parolen und in der Dynamik kollektiver Emotionen.
Die Installation übersetzt diese Dynamik in ein räumliches Mediensystem.
Ausgangspunkt bilden Stimmenfragmente, die sich auf sprachliche Muster und Tonaufnahmen von Demonstrationen aus dem Umfeld der rechtsextremen AFD beziehen. Die Aussagen artikulieren rassistische und fremdenfeindliche Positionen, wie sie im Kontext dieser Demonstrationen häufig auftreten.
Statt diese Aussagen linear zu präsentieren, transformiert die Installation sie in ein räumlich verteiltes Stimmenfeld. Sprache wird zu einer akustischen Struktur, die den gesamten Raum durchdringt.
System
Im Zentrum der Installation steht ein sensorbasiertes System, das die Bewegungen der Besucher*innen im Raum kontinuierlich erfasst.
Eine aus einer Spielkonsole entnommene Infrarot-Sensorik registriert Position und Bewegung der Personen im Ausstellungsraum und überführt diese Daten in eine Echtzeit-Steuerung des audiovisuellen Systems.
Die räumlichen Informationen steuern eine 13-kanalige Lautsprecherinstallation, deren Lautsprecher als dreidimensionales Klangfeld im Raum verteilt sind. Durch präzises Spatial Audio Mapping können einzelne Stimmen im Raum positioniert und bewegt werden.
Die Installation reagiert direkt auf die Anzahl der Besucher*innen:
Je mehr Personen sich im Raum befinden, desto mehr Stimmen werden aktiviert.
Was zunächst als einzelne Stimme beginnt, entwickelt sich mit wachsender Besucherzahl zu einem dichten Stimmengewirr, das sich über den gesamten Raum ausbreitet. Die Besucher*innen werden damit selbst zu Auslösern der akustischen Verdichtung.
Parallel dazu werden die Sensordaten in eine VR-Simulation eingespeist. Die Bewegungen der Besucher*innen beeinflussen das visuelle System in Echtzeit und verbinden physische Präsenz, Klangraum und virtuelle Simulation zu einem gekoppelten interaktiven System.
Erfahrung
Der Raum funktioniert nicht als Bühne, sondern als dynamisches System.
Die Besucher*innen betreten eine Umgebung, in der ihre eigene Anwesenheit eine unmittelbare akustische Reaktion erzeugt. Jede Bewegung verändert die räumliche Verteilung der Stimmen, jede zusätzliche Person verstärkt die klangliche Komplexität des Systems.
Auf diese Weise entsteht eine Erfahrung, in der die Mechanismen kollektiver Dynamiken – Verdichtung, Wiederholung und gegenseitige Verstärkung – physisch erfahrbar werden.